
Dämonenkiller Dorian Hunter
Eine deutsche Heftroman-Legende — und eine persönliche Geschichte über Fandom, Leidenschaft und einen kleinen Verlag.
Dämonenkiller ist Dorian Hunter | Dorian Hunter ist Dämonenkiller

Thomas Born · EX-Zaubermond-Verlag
Meine Geschichte mit dem Dämonenkiller
1994 wurde der Zaubermond-Verlag gegründet, 1995 kam ich mit hinzu — aus einer einzigen Motivation: diese Serie Dämonenkiller/Dorian Hunter am Leben zu halten. Was folgte, waren Jahre voller Arbeit, Herzblut und mehr investiertem Geld als ich je wiedersehen werde. 2006 übergab ich den Verlag an Dennis Ehrhardt. Er war auch bereits vor der Übernahme eine kreative und treibende Kraft im Verlag. Dafür danke ich ihm sehr!
Bereut habe ich es nicht.
Stolz bin ich bis heute.
Eine kleine Zeitleiste
Erste Geschichte im Vampir Horror Roman Nr. 23
Eigenständige Serie beim Pabel-Verlag ab Band 18
Einstellung nach Indizierung durch Bundesprüfstelle (Band 143)
Zweitauflage beim Pabel-Verlag (entschärfte Fassung)
Endgültige Einstellung bei Pabel mit Band 175
Gründung des Zaubermond-Verlages
Das genaue Datum ist mir nicht bekannt
Übergabe des Verlags an Dennis Ehrhardt
Bastei Lübbe bringt zweiwöchentliche Heftromanserie heraus
Dorian Hunter Buch 3: Der Folterknecht
Band 3 ist der bisher persönlichste der Reihe. Nicht weil Dorian Hunter mehr kämpft…
Dorian Hunter Buch 2: Freaks
Mit dem zweiten Sammelband wächst die Welt des Dämonenkillers erheblich. Waren es im Auftaktband…
Dorian Hunter Buch 1: Im Zeichen des Bösen
Der erste Band der Zaubermond-Neuauflage versammelt vier der frühen Romane unter einem Buchdeckel: Im…
Die Erstauflage — 1973 bis 1977
143 Bände · Pabel-Verlag
DER BEGINN
Es ist der 17. Juli 1973. Auf dem westdeutschen Gruselmarkt herrscht Hochbetrieb. Drei große Verlage — Pabel, Bastei und Zauberkreis — beschäftigen sich mit der Gruselliteratur, und der Boom hat gerade seinen ersten Höhepunkt erreicht. Der geneigte Leser kann sich also in Sachen übernatürlichem Schauer wirklich nicht beschweren, die Kioske quellen förmlich über mit Vampiren, Hexen, Werwölfen und allerhand finsterer Gesellschaft.
In dieses lebhafte Marktgeschehen hinein erscheint als Nummer 23 der Reihe VAMPIR HORROR ROMAN beim Pabel-Verlag ein Heft, das auf den ersten Blick nicht weiter auffällt — es heißt „Im Zeichen des Bösen“ und es erzählt von einem jungen Engländer namens Dorian Hunter. Erfunden hatte diese Figur der Österreicher Ernst Vlcek (Pseudonym: Paul Wolf). Und es ist, man kann es nicht anders sagen, der Beginn von etwas Besonderem.
Die Grundidee ist nämlich raffiniert: Dorian ist kein einfacher Held, der zufällig Dämonen bekämpft. Er ist der Sohn des „Fürsten der Finsternis“, in dessen Schwarze Familie hineingeboren, und tritt in immer neuen Inkarnationen über die Jahrhunderte hinweg an, um eben diese Familie zu vernichten. Er hat selbst keine magischen Fähigkeiten — kann aber dämonische Wesen, sogenannte „Schwarzblütige“, erkennen. Der Held ist quasi durch Geburt auf einer Seite — und kämpft sein ganzes Leben auf der anderen.
VON DER SUBSERIE ZUR EIGENEN REINE
Die ersten 17 Geschichten erschienen innerhalb des Vampir-Horror-Romans als Subserie — zunächst nur für 12 Teile geplant. Aber dann passierte, was passiert, wenn eine Geschichte die Leser wirklich erwischt: Sie wollten mehr. Als der Verlag auf der Leserkontaktseite von Vampir-Horror Nr. 67 eine Umfrage startete, war das Echo überwältigend. Die Leser schrieben Briefe. Das ist, für all jene, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, das damalige Äquivalent eines viralen Shitstorms — nur eben positiv und mit Briefmarke.
Am 22. Oktober 1974 startete mit Nummer 18, „Das Fest auf dem Teufelshügel“, die eigenständige DK-Serie. Ab Nummer 27 erschien sie sogar wöchentlich — mit einem wachsenden Autorenteam unter klingenden Pseudonymen: Paul Wolf (Ernst Vlcek), Neal Davenport (Kurt Luif), Earl Warren (Walter Appel), Hivar Kelasker (Hanns Kneifel) und weitere.
DIE FIGUREN
Das eigentliche Herzstück der Serie sind ihre Figuren. Dorian Hunter kämpft an der Seite der Hexe Coco Zamis — eine eigenständige, starke Frauenfigur mit eigener Biografie, die die Serie von vielen Zeitgenossen abhob. Dazu gesellen sich der auf Zwergengröße geschrumpfte Ex-Secret-Service-Agent Donald Chapman, liebevoll „Puppenmann“ genannt, sowie Unga, ein Steinzeitmann. Der schrulligste Helferkreis der Groschenromanliteratur — und man meint das im besten Sinne.
Als Stützpunkt dient erst eine Jugendstilvilla und dann das Castillo Basajaun, eine alte Burg in Andorra. Wer seine Hauptfigur gegen alle Dämonen der Welt antreten lässt, braucht wenigstens eine gute Burg in den Pyrenäen.
DIE ZYKLEN
Was den Dämonenkiller von seinen Konkurrenten wirklich unterschied, war sein konsequent zyklischer Aufbau. Heute würde man das „Story Arc“ nennen und Hollywood würde ein Franchise draus machen. 1973 nannte man es einfach gute Planung.
Besonders der Malkuth-Zyklus sticht heraus: Die sogenannten Janusköpfe — bösartiger als alle bisherigen Dämonen — kommen von der Januswelt Malkuth, auf der „Psychos“ als gegensätzliche Abbilder hiesiger Menschen ihr Unwesen treiben. Das sind die verdrängten, negativen Persönlichkeitsanteile der Menschen, die sich dort manifestieren. Eine psychologische Tiefe, die man in einem Groschenheft der frühen 1970er Jahre nicht zwingend erwartet hätte.
Das Ende kam brutal und unverschuldet: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indizierte vier Bände — und da das Gesetz bei drei oder mehr Indizierungen eine einjährige Marktpause vorschreibt, war das Aus besiegelt. Mit Band 143 endete die Erstauflage am 17. Mai 1977.
Die Zweitauflage — 1983 bis 1986
175 Bände · Pabel-Verlag · Entschärfte Fassung
DER NEUE ANLAUF
Im April 1983 wagte der Pabel-Verlag einen neuen Anlauf: eine Neuauflage der Serie, in einer gegenüber der Erstauflage in puncto Sex und Gewalt entschärften Fassung. Für DK-Fans klang das zunächst nach guter Nachricht — endlich wieder Dorian Hunter am Kiosk.
Wer genauer hinschaut, merkt allerdings schnell, dass diese Auflage ein paar Eigenheiten mitbrachte, die Sammler bis heute beschäftigen. Die Nummerierung lief nicht identisch zur Erstauflage: Band 7 der Erstauflage (Amoklauf) wurde aufgrund der damaligen Indizierung (<– Hintergründe, langer Text) nicht nachgedruckt, wodurch bis Band 34 immer eine Nummer Differenz besteht. Mit Band 34 wurde ein eigens neu geschriebener Einschubband eingefügt — „Der schwarze Hengst“ von Kurt Luif (Neal Davenport) —, danach liefen beide Auflagen wieder synchron bis Band 130.
Übrigens: Erstauflage und Zweitauflage unterscheiden sich auf den ersten Blick durch einen einfachen Hinweis auf dem Cover. Unter der Erstauflage steht „Gruselroman“, unter der Zweitauflage „Horror-Serie“. Sammler freut das. Alle anderen wahrscheinlich weniger.
AB BAND 131: DAS KONZEPT KIPPT
Ab August 1985 und Band 131 entschloss sich der Verlag kurzfristig zu einer Kursänderung — schlechte Verkaufszahlen machten ihr Übriges. Der bis dahin sorgfältig aufgebaute Baphomet-Zyklus wurde auf zwei Romane zusammengestrichen. Ernst Vlcek, mit den Perry-Rhodan-Exposés voll ausgelastet, stand nicht mehr zur Verfügung. Es fehlte ein leitender Autor, der die Fäden zusammenhielt.
Was folgte, war ein erzählerischer Flickenteppich. Jeder schrieb vor sich hin, ein übergreifendes Konzept fehlte. Für DK-Fans, die seit Jahren einer Geschichte folgten, war das schmerzhaft spürbar.
Das endgültige Ende kam traurig und abrupt: Ende Mai 1986 verunglückte der Chefredakteur des Pabel-Verlags, Werner Müller-Reymann, tödlich. In der folgenden Krisensitzung wurden mehrere verlustmachende Serien eingestellt — darunter der Dämonenkiller. Der letzte Band war Nummer 175: „Ich — Coco Zamis“ von Earl Warren.
Für die DK-Fans wiederholte es sich, dass ein Zyklus unvollendet blieb. Die Serie schien den Nimbus zu haben, nie zu einem richtigen Ende zu finden.
Der Zaubermond-Verlag — Fandom wird Profession
Ab 1994 · Neuauflage & Fortsetzung als „Dorian Hunter“
DIE GRÜNDUNG
Was folgte, ist eines jener Phänomene, die man in der Welt der Populärkultur nur selten erlebt: eine Serie, die nicht stirbt, weil ihre Fans es schlicht nicht zulassen.
1994 wurde der Zaubermond-Verlag gegründet — zunächst in Kirchheim/Teck + Schwelm, später Hamburg. Ein Kleinverlag, gegründet von Bernd Götz, dem ich mich ein Jahr später anschloss. Die Motivation war denkbar einfach: Diese Serie gehört nicht ins Archiv. Sie gehört in die Hände der Leser.
Ab 1995 erschienen zuerst der Nachdruck der DK-Erstauflage ab Band 131 sowie später völlig neue Geschichten um Dorian Hunter und Coco Zamis — in Buchform, zu Anfang als Hardcover. Zuerst noch als DÄMONENKILLER. Später war das die Geburtsstunde von „DORIAN HUNTER“ als eigenständigem Buchtitel.
DIE SCHWIERIGEN JAHRE
Man muss, bei aller Liebe zur Sache, ehrlich sein: Die frühen Jahre des Zaubermond-Verlags waren nicht frei von Problemen. Druckqualität, Lektorat, Liefertreue — das sind Dinge, die einen professionellen Verlagsapparat erfordern, und den hatte ein reiner Fanverlag in seinen Anfängen naturgemäß nicht.
Dazu kamen interne Schwierigkeiten. Ich, der den Verlag über Jahre mit persönlichem Einsatz und viel eigenem Geld am Laufen hielt, stand 2006 vor einer Entscheidung: Hauptberuf oder Verlag. Beides zusammen ging auf Dauer nicht mehr. Ich übergab den Verlag an Dennis Ehrhardt und bereute es nicht. Der Verlag war damit in guten Händen.
DER AUFBRUCH UNTER DENNIS EHRHARDT
Unter Ehrhardt wurde aus dem ambitionierten Fanzine-Projekt ein funktionierender, professioneller Kleinverlag. Die Taschenbuch-Gesamtausgabe DORIAN HUNTER — DÄMONENKILLER brachte erstmals die komplette und ungekürzte Neuauflage sowie die Fortsetzung der ursprünglichen Serie — ein Ziel, für das der Verlag insgesamt seit den Anfängen über 30 Jahre brauchte. Das klingt lang. Es ist lang. Aber es wurde erreicht.
Unter dem Titel DORIAN HUNTER bringt es die Serie auf über 100 Bücher mit über 300 Romanen. Das Spin-off „Das Haus Zamis“, das Coco Zamis‘ Jugendabenteuer erzählt, kommt auf 69 Bücher. Dazu ein Hörspiel-Universum, in dem Schauspieler wie Martin Semmelrogge und Dieter Hallervorden mitgewirkt haben. Dorian Hunter mit Dieter Hallervorden — das klingt seltsamer, als es ist, und funktioniert besser, als man erwarten würde.
Die Bastei-Neuauflage — Die Rückkehr zu den Wurzeln
Ab September 2018 · Zweiwöchentlich als Heftroman
DIE ÜBERRASCHUNG
Und dann, im Jahr 2018, geschieht etwas, das vor zehn Jahren wohl noch niemand für möglich gehalten hätte.
Ab dem 11. September 2018 erscheint DORIAN HUNTER zweiwöchentlich als Heftroman-Neuauflage — beim Bastei-Verlag. Man lasse das einen Moment sacken: Der Dämonenkiller, einst bei Pabel sozialisiert, dann zweimal eingestellt, danach jahrzehntelang im Exil des Liebhaberverlags, kehrt als Heftroman zurück. Bei einem der größten deutschen Unterhaltungsverlage. Das ist, als würde ein alter Schauspieler, den die großen Studios abgeschrieben hatten, plötzlich für einen Oscar nominiert.
DIE BESONDERE KONSTELLATION
Was die Sache noch bemerkenswerter macht: Obwohl die Heftserie bei Bastei erscheint, wird sie inhaltlich vom Zaubermond-Verlag betreut. Eine Umkehrung der bisherigen Verhältnisse — hatte Zaubermond doch bisher seinerseits Bastei-Serien in Buchform neu aufgelegt. Dennis Ehrhardt betreut die Leserseite, das Layout folgt dem modernen Dorian-Hunter-Design mit den Illustrationen von Mark Freier. Die Romane erscheinen vollständig und unzensiert — was angesichts der Geschichte dieser Serie kein unwichtiges Detail ist.
Und schließlich: Der legendäre Baphomet-Zyklus — 19 Bände, in der Erstauflage wegen der Einstellung Fragment geblieben, in der Zweitauflage fast komplett weggefallen — erscheint nun vollständig. Jahrzehntelang der heilige Gral unter DK-Fans. Jetzt endlich als Heftroman zum Kaufen.
Das nenne ich ein Happy End. Mit Abstrichen und Umwegen, wie es sich für eine anständige Dämonenkiller-Geschichte gehört.
Der DÄMONENKILLER ist eine der konzeptionell durchdachtesten deutschen Heftromanserien, die je erschienen sind. Nicht die umfangreichste, nicht die langlebigste — Perry Rhodan lacht an dieser Stelle vermutlich leise in sich hinein — aber eine, die ihrer schnelllebigen Gattung eine erzählerische Tiefe gegeben hat, die man ihr schlicht nicht zugetraut hätte. Dass sie heute noch existiert, ist das Verdienst von Menschen, die aus Leidenschaft mehr investiert haben als vernünftig war.
Dorian Hunter raucht übrigens Players. Seine Zigarettenmarke ist seit 1973 dieselbe.
Das nenne ich Ausdauer.
Ich gebe zu, dass ich den DK in den letzten Jahren aus diversen Gründen etwas (arg) aus den Augen verloren habe, mich nun aber wieder nach und nach in die (für mich) neuen Texte einlesen werden. Alte Liebe rostet halt nicht.
In welcher Geschwindigkeit ich hier weitere Buchrezensionen der Serie einstellen werde, kann ich jetzt noch nicht sagen; auch mein Tag hat nur 24 Stunden, wovon ich 13 Stunden im Geschäft verbringe.
Auch ist mir klar, dass ich mit dieser Seite nur einen kleinen, unvollständigen (und vielleicht auch teilweise voreingenommenen) Blick auf das Gesamtwerk des Dämonenkillers werfe. Wer tiefer graben möchte, ist auf der Seite des Zauberspiegels mit den Artikeln von Uwe Schnabel sehr gut aufgehoben. Er ist da wesentlich besser informiert – als Fan der ersten Stunde mit sehr „intimen“ Kontakten natürlich auch eher etwas „voreingenommen“. 😉
